Offener Brief an den Landeshauptmann v. OÖ

Inge Schwarzgruber
Mattigstr. 33
5280 Braunau/Inn

An den
Landeshauptmann v. OÖ
Herrn Dr. Josef Pühringer
Klosterstr. 7
4021 Linz

01.03.2008
Sehr geehrter Herr Dr. Pühringer!

Ich wende mich mit einem Anliegen an Sie, das viele Menschen in unserer Region bewegt. Es geht um das Tierheim „Pro Animale“ in St. Radegund, welches seit vielen Wochen das Thema Nummer Eins der Schlagzeilen und Leserbriefseiten der Braunauer Rundschau und der Kronenzeitung darstellt.

Ich bin mit der Problematik relativ gut vertraut, da ich bereits mehrmals von Pro Animale gebeten wurde, ihren alljährlich abgehaltenen Festtag in meiner Eigenschaft als evangelische Lektorin durch eine kurze Predigt mit anschließender Segnung für Mensch und Tier mitzufeiern.
Vielleicht trägt dieses Schreiben dazu bei, dass der Segen wirksam wird.

Durch meine Tätigkeit kenne ich die örtlichen Gegebenheiten und kann beim besten Willen nicht verstehen, warum der Gemeinderat das Tierheim unbedingt aus dem Ort vertreiben will. Es gab von Anfang an einige wenige Gegner, die alle möglichen Bedenken vor allem gegen die Hundehaltung hatten. Es wurde befürchtet, dass in Zukunft alle Wege in und um St. Radegund mit Hundekot verschmutzt werden, dass die Tiere Krankheiten einschleppen könnten und dass sie Lärm verursachen. Jede einzelne Befürchtung, die vorgebracht wurde, wurde längst durch amtliche Untersuchungen (seitens der OÖ. Landesregierung) als unbegründet bestätigt!!!

Das Tierheim ist vorbildlich geführt, die Hunde laufen nicht frei herum, jeder Besucher, der mit einem Tier spazieren geht, hat es an der Leine und sammelt in eigens bereitgestellten Sackerln und Mülleimern den Kot ein, die Hunde sind gesund, da sie erst nach einer Quarantänezeit und tierärztlicher Versorgung nach St. Radegund kommen und der Vorwurf der Lärmbelästigung ist einfach lächerlich!

Bitte sehen Sie sich den Lageplan des Heimes an. Es gibt einen einzigen Nachbarn, der verhältnismäßig nahe wohnt, und er hat nicht das geringste Problem mit dem Hundegebell, das natürlich am Tag ab und zu zu hören ist, wenn die Tiere im Innenhof des Vierseithofes spielen.

Die Leute, die nach wie vor mit allen Mitteln versuchen, das Tierheim schließen zu lassen, wohnen in einer Entfernung, in der man vermutlich ein Richtmikrofon braucht, um sich durch das Gebell gestört fühlen zu können.

Der nächste Nachbar wohnt ca. 400m weit weg! Manche Gegner sogar 3km!!!

Ich habe immer wenn ich dort war, bewusst einen kurzen Spaziergang vom Tierheim weg in Richtung des ersten Gegners gemacht, um mir einen eigenen Eindruck von der „Lärmbelästigung“ zu machen. Bereits auf der Hälfte der Strecke war das Gebell – wenn überhaupt - nur noch von Ferne wahrzunehmen. Auch das Amt der OÖ. Landesregierung hat bei einer unangemeldeten Lärmmessung keine Lärmbelästigung feststellen können.

Daher frage ich mich, ob es eigentlich zulässig ist, dass eine handvoll Prinzipienreiter eine gute und sinnvolle Einrichtung wider besseres Wissen einfach durch ihr Votum schließen lassen und finanziell ruinieren dürfen.

Der neue Bürgermeister von St. Radegund, Herr Siegl, war ein erklärter Gegner der ersten Stunde. Seit er sein Amt angetreten hat, ist das Votum des Gemeinderats mehr als auffällig in seine Wunschrichtung gekippt, wobei dies kein Wunder ist, wenn es im Gemeinderat nur Parteifreunde (alle Mandatare gehören der ÖVP an!) gibt und die Abstimmung nicht geheim ist.

Ich bin entsetzt über eine derartige Vorgangsweise (das Wort „Machtmissbrauch“ darf ich mir leider nur denken)!

Die Betreiber von Pro Animale haben vor Jahren den ganzen Hof und das Grundstück in gutem Glauben mit viel Geld und noch mehr persönlichem Einsatz umgebaut und für den vorgesehenen Zweck adaptiert. Sie haben alle baulichen Vorkehrungen getroffen, damit es zu keiner wie auch immer gearteten Beeinträchtigung von Nachbarn kommen kann und sie hatten eine Genehmigung zur Betreibung eines Tierheims seitens der Bezirkshauptmannschaft Braunau.

Natürlich sind sie davon ausgegangen, dass damit alles in Ordnung ist, doch nun müssen sie sich seit Jahren mit zermürbenden Anschuldigungen, die jeder Grundlage entbehren und langwierigen juristischen Verfahren rumschlagen.

Es ist nun mal leider so, dass wir Einrichtungen wie Pro Animale brauchen, genauso wie Kinder- und Alten- und Pflegeheime. Unsere Wegwerf- und Spaßgesellschaft ist gewohnt, sich aller Dinge oder Wesen zu entledigen, die „keinen Wert“ mehr haben.

Sind wir froh, dass es noch Menschen mit Herz, Hirn, Geld und Engagement gibt, die sich in verantwortungsvoller Weise um diese gequälten und vernachlässigten Gottesgeschöpfe annehmen.

Auch die oberösterreichische Landesregierung hat an Pro Animale schon Hunde vermittelt, die in verwahrlosten Verhältnissen dahinvegetieren mussten. Daher gehe ich davon aus, dass man auch in Linz weiß, wie gut dieses Tierheim geführt ist.

Die Problematik bei einer tatsächlichen Schließung des Heimes besteht übrigens nicht nur darin, dass man mit 60 Hunden nicht einfach in das nächst beste Haus ziehen kann. Pro Animale hat auch ca. 6 Pferde, 4 Ponys (ob die Zahlen genau stimmen, weiß ich nicht) und mehrere Ziegen in eigens perfekt umgebauten Stallungen. Wohin soll man mit diesen Tieren, die zum Bereiten nicht geeignet sind, wenn das Heim geschlossen wird???

Wenn der Abdecker die letzte Lösung ist, können Sie sicher sein, dass ein Orkan des Protestes von Tierschützern über das Land ziehen wird. Die Stimmung ist bereits jetzt mehr als aufgeheizt (bitte überzeugen Sie sich von den Unmengen von Leserbriefen zu diesem Thema in der Braunauer Rundschau), weil einfach niemand begreifen kann, warum man dieses Tierheim so verbissen bekämpft. Dafür gibt es definitiv keine rationale Begründung!

Der Akt wurde nun von der Gemeindeebene wieder zur Entscheidung an das Land weitergereicht. Daher bitte ich Sie, sich die Fakten genau anzuschauen und auf fairer Basis zu einer gerechten Lösung beizutragen.

Ich bin keine fanatische Tierschützerin, die ihrem Wauwau ein Mäntelchen anzieht, damit das arme Hundi nicht so frieren muss. Ich respektiere nur jedes Geschöpf Gottes als Wesen mit eigener Lebensart und -berechtigung und ich kann Ungerechtigkeit und Willkür einfach nicht ausstehen!

Ich glaube an das, worüber ich predige und sehe es daher als meine Pflicht an, den Mund (respektive das Briefpapier) aufzutun, um gegen dieses Unrecht anzukämpfen.

Ich hoffe auf Ihr Verständnis und Ihre politische Einflussnahme für die gute Sache und verbleibe mit freundlichen Grüßen

Inge Schwarzgruber

Kommentare

ORF Sendung

Habe eben die Sendung gesehen, finde ich echt schlimm, was sind das für Menschen.
lg Olga